Geschichte

1916 – 1950

1916: Die Gründer des Vereins

Die Geschichte des VfR Groß-Gerau begann am 15. März 1916, mitten in den Wirren des 1. Weltkrieges, als 18 junge Männer den Sportclub Hassia gründeten: Zu den Gründungsmitgliedern zählen Philipp Hauf, Ludwig Herdt, Konrad Heyn, Georg Klinger, Philipp Klinger, Heinrich Lochmann, Fritz Luley, Georg Luley, Georg Raiß, Johannes Schadt, Peter Schadt, Georg Rosenthal, Willi Rosenthal, Jakob Schaffner, Adam Schmidt, Wilhelm Voigt, Ludwig Wilhelm und Anton Meyer. Zum ersten Vorsitzenden wurde Philipp Hauf gewählt. Zudem wurden „Grün-Weiß“ – noch heute gültig – als die Vereinsfarben beschlossen.

Die erste Heimat des Vereins war der Turnacker, gegenüber dem Felsenkeller in der Darmstädter Straße. Diese wurde in schweißtreibender Handarbeit für den Spielbetrieb hergerichtet. Durch freiwillige Spenden wurden Tore finanziert, welche bei Bedarf vom Vereinsheim zum Sportplatz und zurück geschleppt werden mussten. Im ersten Spiel des fuhr man direkt einen 3:0 Sieg gegen Borussia Dornheim ein.

Der Krieg dämpfte das aufblühende Vereinsleben im Jahre 1918, was das Erliegen des Spielbetriebes zur Folge hatte. Dieser konnte erst 1919 wieder aufgenommen werden. Während man bei Kriegsende 42 Mitglieder aufweisen konnte, stieg diese Zahl bis 1920 auf 191 an. Um Ärgernissen mit der französischen Besatzungsmacht aus dem Weg zu gehen, wurde der Sportclub Hassia in der Generalversammlung vom 25.01.1920 in Sportverein 1916 Groß-Gerau umbenannt. Nach dem der Verein zwischenzeitlich dem Süddeutschen-Fußballbund beigetreten war, musste ein ordnungsgemäßes Spielfeld her. Der Verein erhielt im Oktober 1923 einen Pachtvertrag über ein Gelände neben dem Forsthaus am Woogsdamm. Allein die Umzäunung, die für das neue Sportgelände benötigt wurde, schlug im November 1923 mit 26,783 Milliarden Mark zu Buche.

1949: Aufstiegself 1949/1950

Die positive Stimmung im Verein fand leider mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten ein jähes Ende. 1937 entzog man sämtlichen Vereinen die Selbstständigkeit und fasste den Verein mit dem TV 1846 zu einer Turn- und Sportgemeinde zusammen. Nichts desto trotz entwickelte sich der Fußball in Groß-Gerau weiter und gegen alle Hindernisse von außen gelang es 1938/1939 die A-Meisterschaft zu erspielen.

Nachdem 1945 alle Vereine in Groß-Gerau per Militärgesetz aufgelöst wurden, entstanden 19146 durch Kompromiss mit den Besatzungsmächten die sogenannten Kultur- und Sportgemeinschaften, die als Dachorganisation kulturelle, sporttreibende und Hobby-Vereine einschloss. Die Gründung der Bundesrepublik brachte eine Lockerung der Vorgaben mit sich, sodass die Vereine ihre Selbstständigkeit zurückerhielten. Da man sich nunmehr auf das Ballspiel konzentrierte, erhielt der wieder ins Leben gerufene Verein den Namen Verein für Rasenspiele 1916.

1949/1950 erhielt der VfR eine neue Heimat. Da das Gelände am Woogsdamm nicht länger zu Verfügung stand, zog man zurück an die Darmstädter Straße. Unter Trainer Hans Wirth gelang der ersten Mannschaft der Aufstieg in die 2. Amateurliga, in der man sich die nächsten fünf Jahre halten konnte.

1950 – 1970

1956: 40 Jahre VfR

Im Jahr 1951 war der Platz an der Darmstädter Straße umzäunt. Zudem wurde eine Stehterrasse für 1.500 Personen erreichtet. 1952 folgte der Bau eines Vereinsheims, so dass der VfR über Umkleideräume, Sanitäranlagen und einen Raum für sportbezogene Veranstaltungen verfügte. 1953 wurden die „Alten Herren“ ins Leben gerufen, die bis heute tragende Säulen des geselligen Vereinslebens bilden.

1968 wurde Hanns Surma zum 1. Vorsitzenden gewählt und begleitete dieses Amt bis 1987. Da der Verein zu dieser Zeit auf rund 650 Mitglieder gewachsen war, stand die Erweiterung der Sportstätten im Raum. Dieses Projekt wurde mit einem finanziellen Aufwand von 105.000 DM verwirklicht. Die Umsetzung des Bauprojektes war wieder einmal der tatkräftigen Hilfe vieler Vereinsmitglieder zu verdanken, die 1.100 freiwillige Arbeitsstunden ableisteten. Dadurch gehörte nun auch eine ständig bewirtete Gaststätte zum VfR-Heim. Der VfR beendete die Saison 1968/1969 als A-Klassenmeister mit einem Punktekonto von 50:10 und war seit dem 2, September 1968 ungeschlagen.

In der Bezirksliga angekommen, ging es 1969/1970 vorrangig um den Klassenerhalt. In der Hinserie zeigte sich, dass der VfR mehr als nur mithalten konnte. So stand man nach kurzer Zeit an der Tabellenspitze und wurde Herbstmeister. Obwohl sich der Meisterschaftskampf im Verlauf der Rückrunde zu einem Dreikampf zuspitzte, gewann der VfR am 7. Juni 1970 im Entscheidungsspiel vor 4.800 Zuschauern in Bensheim gegen Olympia Lampertheim mit 3:0 und sicherte sich die Bezirksmeisterschaft und den Aufstieg in die Gruppenliga.

Die 70er – Die Ära der Hessenliga

Mit Hein Wassermann als neuen Trainer hatte man zu Beginn der Saison 1970/1971 noch Schwierigkeiten, bildete man im September mit Kelkheim, Arheilgen und Wiesbaden die Spitzengruppe. Vor dem letzten Spieltag der Saison lag der SV Wiesbaden mit 47:21 Punkten und 74:34 Toren vor dem VfR (47:21 und 70:30 Toren). Während der VfR im Auswärtsspiel gegen Münster lediglich 2:2 spielte, gewann Wiesbaden gegen Sprendlingen mit 3:1 und sicherte sich mit einem Punkt Vorsprung den Gesamtsieg. Der VfR erreichte somit als Neuling auf Anhieb den 2. Tabellenplatz.

In der darauffolgenden Saison 1971 sicherte man sich erneut die Herbstmeisterschaft. Der Vorsprung auf den Zweiten Hanau 93 konnte so weit ausgebaut werden, das selbst zwei Niederlagen gegen Trebur und Heusenstamm dem VfR nichts mehr anhaben konnten. Ein knapper 1:0 Auswärtssieg gegen Mainflingen brachte der Mannschaft vier Wochen vor Saisonende die dritte Meisterschaft innerhalb von vier Jahren und den Aufstieg in die höchste Amateurklasse, die Hessenliga.

Die Leistungen des VfR wurden durch die Städtischen Körperschaften gewürdigt, so erhielt man eine Sitztribüne an der Süd-Seite des Platzes. Die Tribüne wurde 1972 fertiggestellt und fasst mit einer Breite von 50 Metern und einer Tiefe von acht Metern 558 Sitzplätze und 482 Stehplätze.

Kader in der Hessenliga 1972/1973

Im ersten Jahr der Hessenliga beendete man die Hinserie auf dem 13. Tabellenplatz mit 12:22 Punkten. Nach einer Niederlage zu Rückrundenstart trennte man sich von Trainer Wassermann und präsentierte mit Wolfgang Kaniber einen neuen Trainer von Opel Rüsselsheim. Der VfR musste trotz des Trainerwechsels lange um den Klassenverbleib zittern. Gegen Hofheim musste der Verbleib in der Hessenliga ausgefechtet werden, wo man in allerletzter Minute ein Unentschieden erreichen konnte. Da sich auch nach der Verlängerung kein Sieger ergab, war ein Entscheidungsspiel fällig. Hier dominierte Groß-Gerau und schaffte mit 3:0 den Klassenerhalt.

1972: Entscheidungsspiel

In der Saison 1973/1974 erreichte man zur Winterpause mit 18:16 Punkten den angestrebten Mittelfeldplatz. Durch weitere Siege, unter anderem gegen die Amateure von Eintracht Frankfurt und Viktoria Aschaffenburg, arbeitete man sich im Verlauf der Rückrunde auf den 6. Tabellenplatz vor, den man bis Ende der Saison behielt. Trainer Wolfgang Kaniber verlies den VfR leider aus persönlichen Gründen mit Ende der Saison.

Mit Erich Gehbauer als neuen Trainer schloss man die Hinrunde der Saison 1974/1975 auf dem neunten Tabellenplatz ab. Verlor man in der Hinrunde gegen den FSV Frankfurt mit 6:1, konnte man den Tabellenführer in der Rückrunde mit 1:0 bezwingen. In der Abschlusstabelle lag der VfR Groß-Gerau, punktgleich mit dem zehnten Dillenburg, auf Platz 11. Die Saison 1975/1976 begann erneut mit einem Trainerwechsel. Für Gehbauer kam Dieter Stinka, früherer Lizenzspieler von Eintracht Frankfurt. Mit etlichen Niederlagen fand sich der VfR zunächst auf einem der letzten Tabellenplätze wieder. Durch einige Siege belegte man zu Ende der Vorrunde den 11. Platz. In den letzten Spielen der Saison fuhr man drei Siege und ein Unentschieden ein, was Groß-Gerau in der Abschlusstabelle den 7. Platz bescherte.

Einen furiosen Start legte man in der Saison 1976/1977 hin. Nach Siegen gegen den VfB Gießen, FC Hochstadt, SV Wiesbaden, Hessen Kassel und Hermania Kassel stand man an der Tabellenspitze. Durch teils deftige Niederlagen gegen die Eintracht Frankfurt Amateure und Viktoria Aschaffenburg rutschte man in der Tabelle ab, sodass man am Saisonende mit 31:37 Punkten den 10. Platz belegte.

Das Abenteuer „Hessenliga“ ging für den VfR Groß-Gerau mit 24:44 Punkten in der Saison 1978/1979 zu Ende. In sieben Jahren Hessenliga bestritt der VfR 240 Spiele mit einem Punkteverhältnis von 211:269 Punkten und einem Torverhältnis von 366:452.

Die 80er und 90er Jahre

1991: Freundschaftsspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern

Nach dem Abstieg aus der Hessenliga fand sich der VfR in der Landesliga-Süd wieder. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und zwischenzeitlichem Abstiegsplatz kämpfte man sich auf einen sicheren Mittelfeldplatz vor. 1985 konnte die Mannschaft spielerische Schwierigkeiten nicht mehr kompensieren und stieg in die Bezirksoberliga ab. Nach dem einige Leistungsträger den VfR verließen, stand in der Saison 1986/1987 der Klassenerhalt in der Bezirksoberliga auf wackeligen Beinen. Erst im Elfmeterschießen des Entscheidungsspiels am 5. Juni 1987 gegen den SV Fürth sicherte man sich mit 4:1 den Klassenerhalt.

Die Zitterpartie um den Klassenerhalt zog sich durch die nächsten zwei folgenden Spieljahre. Auch zwei Trainerwechsel brachten nicht den gewünschten Erfolg. In der Saison 1989/1990 fand man sich am Ende der Vorrunde mit 15:21 Punkten auf dem 15. Platz wieder. Auch im Frühjahr gab es keine Besserung, so dass Ende der Saison der Abstieg in die A-Klasse feststand. Im August siegte der VfR Groß-Gerau gegen die klassenhöhere SKV Mörfelden nach Verlängerung mit 3:2 und sicherte sich damit den Titel des Kreispokalsiegers.

Bezirksliga-Meister 1996/1997

Anlässlich des 75. Jubiläums empfing der VfR 1991 den DFB-Pokalsieger 1. FC Kaiserslautern. Zwar unterlag man den „Roten Teufeln“ mit 1:9, begeisterte aber die Zuschauer mit einem durch und durch guten Spiel gegen die Profis. Zum Jubiläumsjahr zählte der Verein 523 Mitglieder, davon 240 Aktive in 14 Mannschaften.

In der Rückrunde der Saison 1997 stand der VfR Groß-Gerau nach 19 gewonnen und nur sechs verlorenen Spielen vorzeitig als Bezirksoberligameister fest.

Die 2000er

In der Saison 1999/2000 folgte der Abstieg aus der Landesliga. Fortan bestritt der VfR seine Spiele wieder in der Bezirksoberliga. Während die 1. Mannschaft damit zu tun hatte, den Abstiegs- und Relegationsplätzen zu entkommen, spielte sich die 2. Mannschaft 2001 bis an die Spitze der Reserve Bezirksoberliga. In der Saison 2001/2002 konnte der Verein dem Abstieg nicht entgehen und bestreitet seither seine Spiele in der heutigen Kreisoberliga.

Seit dem Abstieg 2002 spielt der VfR Groß-Gerau ununterbrochen in der gleichen Klasse, der Kreisoberliga Darmstadt/Groß-Gerau. 2007 und 2008 schloss man die Saison jeweils auf dem 2. Tabellenplatz ab und nahm damit an der Relegationsrunde um den Aufstieg in die Gruppenliga teil. 2007 ging die Mannschaft als Mitfavorit in die Runde, verlor aber nach einem 0:0 bei der Tvgg Lorsch trotz dreimaliger Führung im Heimspiel gegen den FC Ober-Ramstadt mit 3:4. und musste den Aufstieg abhaken. Im darauffolgenden Jahr scheiterte man ebenfalls durch eine 0:2 Niederlage gegen den SV Erzhausen und einer 1:5 Niederlage in Wald-Michelbach.

2010 wurde der Rasenplatz saniert und eine neue Flutlichtanlage installiert, was die Trainingsbedingungen gerade in den „kurzen Tagen“ der Winterzeit deutlich verbesserte. In der Saison 2010/2011 war der Klassenerhalt für beide Mannschaften ein hartes Stück Arbeit. Nach einer sportlichen Talfahrt trennte man sich im April 2011 von Trainer Klaus Schuff. Mit den neuen Trainern Hans-Peter Steinle und Christof Fähnrich erreichte man am Ende der Saison den Klassenerhalt. Die darauffolgende Saison 2011/2012 schloss man mit einem Mittelfeldplatz ab.

In den folgenden Jahren musste die Mannschaft ebenfalls das ein oder andere mal um den Klassenerhalt kämpfen. Es gelang aber immer rechtzeitig, die nötigen Reserven zu aktivieren und die Spieljahre mit einem mittleren Tabellenplatz zu beenden.

2016: 100 Jahre VfR

In der Saison 2016/2017 verpassten die Kreisstädter den Aufstieg in die Gruppenliga in letzter Sekunde. In einer starken Saison musste man den 1. Platz trotz zwischenzeitlicher 10 Punkten Vorsprung auf der Zielgeraden der Saison noch an den Nachbarn SKV Büttelborn abgeben. In der Relegation feierte man im ersten Spiel gegen Anatolia Birkenau ein 7:0-Schützenfest. Im abschließenden Spiel beim SC Hassia Dieburg hätte den Grün-Weißen ein Unentschieden gereicht. In der Nachspielzeit der Partie kamen die Dieburger durch einen Freistoßtreffer zum 1:0, womit der Traum von der Gruppenliga vorbei war.

Der VfR Groß-Gerau kann auf über 100 Jahre bewegte Geschichte zurückblicken. Siege wurden gefeiert und Niederlagen mit sportlicher Fairness ertragen. Freundschaften wurden geknüpft und Partnerschaften gebildet. Befreundete Vereine und Organisationen tatkräftig unterstützt. In all den Jahren zeigte der Verein neben dem sportlichen auch immer soziales Engagement und trug regelmäßig zum kulturellen Leben seiner Heimatstadt bei.